Patientensicherheit
Prinzipiell ist eine Narkose heutzutage sehr sicher geworden. Die kontinuierliche persönliche Betreuung durch unser Anästhesieteam und die verbesserten technischen Möglichkeiten der Überwachung des Patienten sowie exakt steuerbare Medikamente haben das Anästhesierisiko deutlich verringert. Dadurch können heute auch Notfalloperationen und Eingriffe bei älteren oder sehr kranken Patienten sicher durchgeführt werden Wer sich einer Narkose für eine Operation unterziehen muss, wird von den Anästhesisten des Klinikums ständig überwacht, egal welches Anästhesieverfahren durchgeführt wird.
Vor einer Narkose klären wir unsere Patienten im Narkosevorgespräch (Prämedikationsgespräch) über die Risiken und wie sie vermieden werden können auf. Das Risiko an einer Narkose zu versterben ist in den vergangenen Jahren stark gesunken: Lag es im Jahr 1980 noch bei ca. 20 von 200.000, so liegt ist es heute bei nur noch 1 von 200.000 durchgeführten Narkosen.
Vermeidung von Risiken
Aspiration
Ein wichtiges, wenn auch geringes Risiko ist bei der Vollnarkose das der Aspiration, also der Übertritt von Magensaft bzw. Mageninhalt in die Lunge mit der Folge einer Lungenentzündung bzw. -schädigung. Bei einem gefüllten Magen ist dieses Risiko verständlicherweise größer. Deshalb ist das Einhalten der Nüchternheitsgrenzen vor der Operation so wichtig.
Zähne und Zahnprothesen
Der Zustand der Zähne ist auch für eine Narkose wichtig. Prothesen und lockere Zähne können Risiken beinhalten. Wir fragen deshalb im Narkosevorgespräch nach den Zähnen. Prothesen sollen deshalb vor Beginn der Anästhesie herausgenommen werden.
Herz-, Kreislauf- oder Beatmungsprobleme
Sehr selten sind ernste Herz-, Kreislauf- oder Beatmungsprobleme z. B. aufgrund einer allergischen Reaktion, worauf wir durch die permanente Überwachung aber sofort reagieren können.
Vorerkrankungen
Risiken, die durch besondere Vorerkrankungen bedingt sein können besprechen wir individuell im Prämedikationsgespräch mit den Patienten, genauso unsere besonderen Überwachungsmaßnahmen in solchen Fällen. Bei einer Regionalanästhesie ist keine Beatmung notwendig, weshalb das Risiko einer Aspiration nahezu komplett entfällt. Während des Prämedikationsgesprächs besprechen wir mit unseren Patienten auch die extrem seltenen Nebenwirkungen und beantworten alle Fragen.
Bluttransfusion
Bei den allermeisten Operationen ist keine Bluttransfusion notwendig. Erst wenn bei Operationen ein sehr hoher Blutverlust auftritt und das Leben des Patienten gefährdet ist, wird eine Bluttransfusion durchgeführt. Diese Entscheidung wird nicht leichtfertig sondern anhand anerkannter Kriterien getroffen. Wenn ein größerer Blutverlust vorherzusehen ist, überlegen wir schon vor der Operation, ob fremdblutsparende Maßnahmen eingesetzt werden können.
Cellsaver
Es besteht bei einigen Eingriffen die Möglichkeit, im Operationsgebiet abgesaugtes Blut aufzufangen, zu filtern und dem Patienten wieder zurückzugeben (Einsatz eines sogenannten Cellsavers). Bei bestimmten Operationen z. B. in entzündeten Gebieten ist dies wegen der Gefahr einer Keimverschleppung allerdings nicht möglich.
Eigenblutspende
Als eine andere Alternative kann bei planbaren Operationen eine einige Wochen vor dem geplanten Eingriff eine Eigenblutspende erfolgen. Dieses Blut wird bis zur Operation für den Patienten gekühlt aufbewahrt und ebenfalls bei zu starkem Blutverlust dem Körper zurückgegeben. Für einen anderen Patienten kann und darf das Eigenblut nicht verwendet werden.
Alle in Deutschland verwendeten Blutkonserven werden auf infektiöse Erreger untersucht und vor einer Keimbesiedelung geschützt aufbewahrt. Sie gehören damit zu den sichersten Blutprodukten weltweit.
Blutkonserven
Natürlich sind alle Blutkonserven auf HIV-Erreger (AIDS) oder Hepatitis-Erreger getestet. Trotzdem kann das Risiko einer Infektion mit verschiedenen Erregern nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausgeschlossen werden, da der extrem seltene Fall eintreten kann, dass ein Blutspender sich kurz vor der Blutspende angesteckt hat. Die Infektion kann er dann bereits weitergeben, ohne dass sich diese in seinem Blut nachweisen lässt. Dadurch kommt ein sogenanntes "Restrisiko" zustande. Das Risiko in Deutschland, sich durch eine Blutübertragung mit HIV anzustecken, beträgt jedoch nur ca. 1 auf 1 Million Transfusionen.
Verhinderung einer Auskühlung
Prinzipiell besteht bei jeder Operation das Problem einer möglichen Auskühlung des Patienten. Dies hat verschiedene Ursachen, die mit der Herabsetzung von körpereigenen Schutzmechanismen während der Anästhesie, mit der Hautdesinfektion, der Eröffnung des Operationsgebietes und mit der Flüssigkeitszufuhr durch Infusionen in Zusammenhang stehen.
Eine konsequente Prophylaxe eines solchen Abfalls der Körpertemperatur fördert nicht nur das Wohlbefinden des Patienten nach dem Eingriff, sondern reduziert zusätzlich den möglichen Blutverlust und das Risiko von Entzündungen.
Aus diesem Grunde legen wir außerordentlichen Wert darauf, eine Auskühlung des Patienten durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen von vornherein zu verhindern. Hierzu erhalten unsere Patienten vorgewärmte Frotteedecken, während der Operation werden Patienten zusätzlich mit speziellen Decken und Warmluftgebläsen in ein warmes Luftkissen eingehüllt und Infusionen sowie Blutkonserven werden optimal vorgewärmt.
Prophylaxe von Übelkeit und Erbrechen
Grundsätzlich besteht nach Operationen in Allgemeinanästhesie die Möglichkeit, dass Patienten Übelkeit empfinden. Dieses Phänomen hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab.
Durch moderne Anästhesieverfahren und die Gabe vorbeugender Medikamente kann diese unangenehme Begleiterscheinung in ihrer Häufigkeit stark reduziert werden. Wir wenden daher grundsätzlich eine Reihe von Maßnahmen an, um einer Übelkeit vorzubeugen. In Abhängigkeit von der Anästhesieform und der persönlichen Veranlagung des Patienten kommen verschiedene Medikamente stufenweise zum vorbeugenden Einsatz.
Im Rahmen des Prämedikationsgesprächs sollten Sie daher besonders darauf hinweisen, falls nach einer früheren Anästhesie schon einmal Übelkeit oder Erbrechen aufgetreten ist oder sie besonders unter einer Reisekrankheit leiden.
