Patientensicherheit ist uns wichtig!

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Patientenfreundliche Webseite

Unser Internetauftritt ist durch die Initiative Medizin Online (imedON) als patientenfreundliche Website zertifiziert.

imedON Zertfikat 2011

Auszeichnungen

Das Klinikum am Steinenberg Reutlingen ist bei Deutschlands größtem Krankenhausvergleich, der von dem Magazin Focus durchgeführt wurde, als "Top Regionales Krankenhaus: Baden-Württemberg" gelistet.

TOP Regionales Krankenhaus 2017

Bakterien- und Pilzkulturen

Wichtige Begriffe der Infektiologie und Hygiene

Mensch und Mikroorganismen - ein interaktives biologisches System

Der menschliche Körper besteht aus ca. 1011– 1012 Zellen. Gleichzeitig befinden sich auf und in unserem Körper schätzungsweise 1013 – 1014 Mikroorganismen (ca. 1.500 verschiedene Bakterienarten, aber auch Viren, Pilze und Parasiten), die wir gemeinhin als körpereigene Flora (physiologische Standortflora) bezeichnen. Die ersten 9 Monate unseres Lebens im Mutterleib bis zur Geburt ist die einzige Phase des menschlichen Lebens, die wir normalerweise keimfrei verbringen. Die individuelle Normalflora etabliert sich innerhalb der ersten Wochen unseres Lebens. Trotz aller Individualität ist es bemerkenswert, dass sich die Verteilungsmuster und die Zusammensetzung der lokalen Bakterienpopulationen bei allen Menschen, unabhängig von Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit, klimatischen oder sozialen Verhältnissen insgesamt wenig unterscheiden.
Nachfolgende Körperregionen bzw. Organe sind mit Standortflora dauerhaft besiedelt: Haut, Mundhöhle, Nasen-/Rachenraum, Bindehaut der Augen, Magen-/Darmtrakt (insbesondere der Dickdarm), Endstück der Harnröhre, Vagina.

Die Funktion der Normalflora ist vielfältig. So spielt diese eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines kompetenten Immunsystems, sie kann im Darm noch unverdaute Nahrungsbestandteile abbauen, sie baut verschiedene toxische Substanzen mit karzinogener oder mutagener Potenz, die entweder mit der Nahrung aufgenommen oder beim Abbau der Nahrung entstehen können, zu untoxischen Endprodukten ab und trägt damit zur Karzinomprophylaxe bei. Weiterhin verhindert Sie eine Kolonisation unseres Körpers mit anderen, schädlichen Mikroorganismen.

Wodurch wird die Infektabwehr des Organismus negativ beeinflusst?

Exogene Faktoren

  • Haut- und/oder Schleimhaut sind geschädigt
  • physikalische Abwehrmechanismen werden außer Kraft gesetzt
  • Therapie mit Medikamenten, welche die Abwehrkraft herabsetzen
  • veränderte Umweltbedingungen (Reisen, Katastrophen)

Endogene Faktoren

  • niedriges und hohes Lebensalter
  • Unterernährung, Mangelernährung
  • chronische Erkrankungen
  • Erkrankungen des Immunsystems
  • bösartige Erkrankungen

Übertragungswege von Infektionskrankheiten

Direkte Übertragung

  • Tröpfcheninfektion (Einatmen infizierter Speicheltröpfchen) (ohne Zwischenträger)
  • Kontakt-/Schmierinfektion (Haut, Schleimhaut, Blut, Sekrete)
  • Vertikale Infektion von Mutter auf Kind (über Nabelschnur, bei Durchtritt durch den Geburtskanal)

Indirekte Übertragung

  • unbelebte Träger (Wasser, Nahrungsmittel, kontaminierte (über Zwischenträger) Instrumente, Stäube, Aerosole)
  • belebte Träger (Insekten-/Spinnentiere, Wirbeltiere)

Handhygiene

Ein ausgesprochen häufiger Übertragungsweg von Erregern stellen Hände dar, welche im primären Kontakt Erreger aufnehmen und anschließend beim nächsten Kontakt den Erreger weitergeben, also übertragen. Es ist daher die konsequente Händereinigung und -desinfektion ein elementarer Bestandteil einer guten Krankenhaushygiene und daher zwingend von allen vorschriftsgemäß durchzuführen.

Desinfektionsspender mit Unterarm bedienen

Hände einreiben

 

Fingerkuppen auf Handflächen drückenOberfläche der Hände einreibenFingerzwischenräume einreiben durch Ineinanderlegen der Finger wie beim HändefaltenOberer Bereich der Finger einreibenDaumen mit ganzer Hand einreibenErfolgskontrolle unter UV-Licht: schlechtes Ergebnis: nur der Kernbereich der Hände leuchtet, die Randbereiche bleiben dunkelErfolgskontrolle unter UV-Licht: gutes Ergebnis: Kernbereiche und Randbereiche der Hände leuchten

Möglichkeiten der Prävention vor Infektionskrankheiten

Schutz vor Infektionskrankheiten kann sowohl durch Dispositions-orientierte Maßnahmen, d.h. der potentielle Wirt wird gegen eine eventuelle Ansteckung durch Immunisierung (z.B. Schutzimpfung) oder Chemoprophylaxe (z.B. Antibiotika) gegen eine eventuelle Ansteckung unempfindlich gemacht. Alternativ können auch Expositions-orientierte Maßnahmen zum Schutz dienen, d.h. der Erreger selbst soll eliminiert oder seine Weiterverbreitung verhindert werden. Dies wäre erreichbar durch Ausrottung des Erregers, Isolierung/Quarantäne, Schutzkleidung oder Desinfektion/Sterilisation.

Infektion

Von einer Infektion spricht man, wenn sich der menschliche Organismus mit einem Erreger auseinandersetzt und dies zu einer mehr oder weniger starken Beeinträchtigung der Körperfunktionen führt. Typische Zeichen einer Infektion sind Fieber, schneller Herzschlag (Tachykardie) sowie Symptome, welche vom Infektionsort abhängig sind.

Diese wären zum Beispiel:

  • Durchfall bei Magen-Darm-Infektionen
  • Husten bei Atemwegsinfekten
  • Rötung und Schwellung bei Hautinfektionen

Ein Kontakt mit einem Erreger muss nicht zwangsläufig mit einer Infektion einhergehen, sondern eher ist das Gegenteil der Fall, dass nämlich Mensch und Milliarden von Bakterien in vielen Regionen des Körpers friedlich zum gegenseitigen Nutzen zusammenleben (Symbiose). Erst auf Grund einer Abwehrschwäche des Körpers oder bei Eindringen von Erregern über Verletzungen in den Körper sowie bei Kontakt zu besonders gefährlichen Erregern kann es zu einer Infektionserkrankung kommen.

Multiresistente Erreger (MRE)

Multiresistente Erreger sind resistent gegen die Wirkung der meisten Antibiotika, insbesondere gegen Standardantibiotika, welche sowohl gut verträglich sind als auch über eine gute Wirksamkeit verfügen und mit denen eine langjährige Anwendungserfahrung besteht. Im Falle einer Resistenz sind die Behandlungsmöglichkeiten im Falle einer Infektion deutlich eingeschränkt. Häufig stehen dann dem behandelnden Arzt nur noch schlechter wirksame und/oder auch weniger verträgliche Antibiotika zur Verfügung. Mittlerweile wurden bereits multiresistente Erreger nachgewiesen, welche gegen alle verfügbaren Antibiotika resistent sind.

Zur Gruppe der Multiresistenten Erreger (MRE) zählen:

  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
  • Multiresistente gram-negative Bakterien (MRGN)

Ein wesentliches Ziel des Hygienemanagements ist es, einerseits zu verhindern, dass sich Bakterien Resistenzen aneignen können, und andererseits vorhandene resistente Bakterien an deren Ausbreitung zu hindern. Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, die Ausbreitung resistenter Bakterien deutlich einzuschränken bzw. zu verhindern:

  • Gezielterer Einsatz von Antibiotika und damit auch Verminderung antibiotischer Behandlungen
  • Maßnahmen zur Vermeidung von MRE-Übertragungen
  • Entwicklung neuer MRE-wirksamer Antibiotika

Da letzterer Aspekt sehr kostenintensiv und zeitlich sehr aufwändig ist, müssen insbesondere die ersten beiden genannten Punkte im Hygienemanagement konsequent umgesetzt werden.

KISS (Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System)

Dem KISS-Register melden Krankenhäuser auf freiwilliger Basis die Häufigkeit des Nachweises multiresistenter Erreger (MRE) und bestimmter Infektionskrankheiten. Das Register wertet die Daten aus und bietet somit die Möglichkeit, die Klinikdaten untereinander zu vergleichen.

Robert-Koch-Institut (RKI)

Das Robert-Koch-Institut ist ein Bundesinstitut für Infektionskrankheiten mit Sitz in Berlin. Es erfasst zum Beispiel relevante Infektionen, um Häufungen und sich daraus ergebende Gefahren für die Bevölkerung zu erkennen. Zudem stellt es Informationen zum Umgang mit Infektionskrankheiten zur Verfügung. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) des Robert-Koch-Instituts gibt Empfehlungen zum Beispiel zum Umgang mit multiresistenten Erregern (MRSA, VRE, MRGN) heraus

Verordnung des Sozialministeriums Baden Württemberg über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen (MedHygVO) vom 20. Juli 2012

Diese Verordnung regelt die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung, Erkennung, Erfassung und Bekämpfung von nosokomialen (im Krankenhaus erworbenen) Infektionen und Krankheitserregern mit Resistenzen in medizinischen Einrichtungen. Die Leitung von Einrichtungen sind verpflichtet, die betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Voraussetzungen für die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Hygiene nach dem jeweiligen Stand der Wissenschaft sicherzustellen und alle erforderlichen Maßnahmen zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen und Krankheitserregern mit Resistenzen zu ergreifen. Fachliche Grundlage bilden die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) und die Empfehlungen der Kommission „Antiinfektiva, Resistenz und Therapie“ in den jeweils geltenden Fassungen.

Die Umsetzung der genannten Anforderungen erfolgt in medizinischen Einrichtungen insbesondere durch

  • Einrichtung einer Hygienekommission
  • Beschäftigung eines/r Krankenhaushygienikers/in oder Sicherstellung der Beratung durch einen/r Krankenhaushygieniker/in
  • Bestellung von hygienebeauftragten Ärzten/Ärztinnen
  • Beschäftigung von Hygienefachkräften oder Sicherstellung der Beratung durch Hygienefachkräfte
  • Sicherstellung der Aus- und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten und Pflegepersonal auf dem Gebiet der Hygiene

Die Leitungen von Einrichtungen haben sicherzustellen, dass innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festgelegt und fortgeschrieben werden.

Infektionsschutzgesetz

Mit dem am 1. Januar 2001 in Kraft getretenen Infektionsschutzgesetz (IfSG), welches regelmäßig den aktuellen Entwicklungen angepasst wird (letzte Änderung vom 7. August 2013), ist der Gesetzgeber seiner aus der Verfassung folgenden Verpflichtung nachgekommen, die Infektionsbekämpfung in Deutschland umfassend und effektiv zu regeln. Nicht zuletzt seit dem Auftreten von AIDS und BSE, aber hauptsächlich durch die Zunahme multiresistenter Erreger im Krankenhaus, ist deutlich geworden, dass das vorherige gesetzliche Instrumentarium zur Vorbeugung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten nicht mehr ausreichte. Das nunmehr vorhandene Infektionsschutzgesetz trägt den Anforderungen einer modernen Seuchenbekämpfung Rechnung.

Zweck dieses Gesetzes ist es, Leben und Gesundheit des Einzelnen wie der Gemeinschaft vor den Gefahren durch Infektionskrankheiten zu schützen. Die Mittel und Wege zur Erreichung dieses Zweckes, also Vorbeugung, frühzeitige Erkennung von Infektionen und Verhinderung der Weiterverbreitung, werden im Gesetz geregelt.


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