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Wichtige Begriffe der Infektiologie und Hygiene

Themen

Die körpereigene Flora des Menschen

Der menschliche Körper besteht aus etwa 10¹¹–10¹² menschlichen Zellen. Gleichzeitig leben auf und in unserem Körper schätzungsweise 10¹³–10¹⁴ Mikroorganismen. Diese setzen sich aus rund 1.500 verschiedenen Bakterienarten sowie Viren, Pilzen und Parasiten zusammen und werden als körpereigene Flora bzw. physiologische Standortflora bezeichnet.

Die Zeit im Mutterleib bis zur Geburt stellt in der Regel die einzige weitgehend keimfreie Phase des menschlichen Lebens dar. Unmittelbar nach der Geburt beginnt die Besiedelung des Körpers mit Mikroorganismen.

Die individuelle Normalflora etabliert sich innerhalb der ersten Lebenswochen. Trotz großer individueller Unterschiede zeigen sich bei allen Menschen – unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit sowie klimatischen oder sozialen Lebensbedingungen – ähnliche Verteilungsmuster und Zusammensetzungen der lokalen Bakterienpopulationen.

Dauerhaft mit Standortflora besiedelte Körperregionen

Folgende Körperregionen und Organe sind physiologisch dauerhaft mit Mikroorganismen besiedelt:

  • Haut
  • Mundhöhle
  • Nasen- und Rachenraum
  • Bindehaut der Augen
  • Magen-Darm-Trakt (insbesondere der Dickdarm)
  • Endabschnitt der Harnröhre
  • Vagina

Funktionen der Normalflora

Die Normalflora erfüllt zahlreiche wichtige Aufgaben für die Gesundheit:

  • Unterstützung bei der Entwicklung und Regulation des Immunsystems
  • Abbau nicht vollständig verdauter Nahrungsbestandteile im Darm
  • Entgiftung potenziell karzinogener oder mutagener Substanzen, die mit der Nahrung aufgenommen werden oder beim Verdauungsprozess entstehen
  • Beitrag zur Karzinomprophylaxe
  • Schutz vor der Besiedelung durch krankmachende Mikroorganismen (Kolonisationsresistenz)

Faktoren, die die Infektabwehr beeinträchtigen können

Exogene Faktoren

  • Schädigung von Haut und/oder Schleimhäuten
  • Ausschaltung physikalischer Abwehrmechanismen
  • Therapie mit immunsuppressiven oder abwehrschwächenden Medikamenten
  • Veränderte Umweltbedingungen (z. B. Reisen, Naturkatastrophen)

Endogene Faktoren

  • Sehr junges oder hohes Lebensalter
  • Unter- oder Mangelernährung
  • Chronische Erkrankungen
  • Erkrankungen des Immunsystems
  • Bösartige Erkrankungen

Übertragungswege von Infektionskrankheiten

Direkte Übertragung

  • Tröpfcheninfektion (Einatmen infektiöser Tröpfchen, ohne Zwischenträger)
  • Kontakt- und Schmierinfektion (über Haut, Schleimhäute, Blut oder Sekrete)
  • Vertikale Übertragung von der Mutter auf das Kind (über die Plazenta oder bei der Geburt)

Indirekte Übertragung

  • Unbelebte Überträger (z. B. Wasser, Nahrungsmittel, kontaminierte Instrumente, Stäube, Aerosole)
  • Belebte Überträger (z. B. Insekten, Spinnentiere, Wirbeltiere)

Bedeutung der Händehygiene

Die Hände stellen einen der häufigsten Übertragungswege für Krankheitserreger dar. Erreger können bei einem Kontakt aufgenommen und beim nächsten Kontakt weitergegeben werden.

Eine konsequente Händereinigung und Händedesinfektion ist daher ein elementarer Bestandteil der Krankenhaushygiene und muss von allen Beteiligten strikt eingehalten werden.

Prävention von Infektionskrankheiten

Der Schutz vor Infektionskrankheiten kann auf zwei Wegen erfolgen:

Dispositionsorientierte Maßnahmen

Dabei wird der potenzielle Wirt geschützt, z. B. durch:

  • Immunisierung (z. B. Schutzimpfungen)
  • Chemoprophylaxe (z. B. Antibiotika in speziellen Situationen)

Expositionsorientierte Maßnahmen

Hier steht die Kontrolle oder Eliminierung des Erregers im Vordergrund, z. B. durch:

  • Ausrottung von Erregern
  • Isolierung und Quarantäne
  • Verwendung von Schutzkleidung
  • Desinfektion und Sterilisation

Infektion

Von einer Infektion spricht man, wenn der menschliche Organismus mit einem Krankheitserreger in Kontakt kommt und es dadurch zu einer Beeinträchtigung von Körperfunktionen kommt.

Typische Anzeichen einer Infektion sind:

  • Fieber
  • Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
  • Lokale Symptome abhängig vom Infektionsort

Beispiele:

  • Durchfall bei Magen-Darm-Infektionen
  • Husten bei Atemwegsinfekten
  • Rötung und Schwellung bei Hautinfektionen

Ein Kontakt mit einem Erreger führt nicht zwangsläufig zu einer Infektion.

Multiresistente Erreger (MRE)

Multiresistente Erreger sind Mikroorganismen, die gegen mehrere Antibiotika – insbesondere gegen Standardantibiotika – unempfindlich sind. Dadurch sind die therapeutischen Möglichkeiten erheblich eingeschränkt.

Beispiele für multiresistente Erreger:

  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA)
  • Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE)
  • Multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN)

Ziele des Hygienemanagements

  • Vermeidung der Entstehung von Antibiotikaresistenzen
  • Verhinderung der Weiterverbreitung resistenter Erreger

Maßnahmen gegen MRE

  • Rationaler und gezielter Einsatz von Antibiotika
  • Konsequente Hygienemaßnahmen zur Unterbrechung von Übertragungswegen
  • Forschung und Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika