Erkrankungen der männlichen Sexual- und Fortpflanzungsfunktion
Die Andrologie ist ein Teilgebiet der Urologie und befasst sich mit Erkrankungen und Funktionsstörungen der männlichen Sexualität, der Fortpflanzungsfähigkeit sowie mit hormonellen Veränderungen des Mannes. In der Urologischen Klinik des Kreisklinikums Reutlingen erfolgt die andrologische Diagnostik und Therapie nach aktuellen medizinischen Leitlinien und unter Berücksichtigung individueller Beschwerden und Bedürfnisse.
Viele andrologische Erkrankungen sind für die Betroffenen mit Unsicherheit oder Scham verbunden. Eine sachliche, verständliche Aufklärung sowie eine strukturierte medizinische Abklärung sind daher von besonderer Bedeutung. Neben der Betreuung von Patienten stehen wir auch Zuweisern als Ansprechpartner für die weitere Diagnostik, Therapieplanung und Verlaufskontrolle zur Verfügung.
Kooperationen
Es besteht eine enge Kooperation mit der Medizinischen Klinik I im Hause und der Kinderwunschpraxis Dres. Göhring in Tübingen.
Hintergrundwissen
Erektile Dysfunktion
Die erektile Dysfunktion (ED) beschreibt die anhaltende Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Sie ist eine häufige Erkrankung und kann Männer jeden Alters betreffen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Gefäßerkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und hormonellen Störungen über neurologische Erkrankungen bis hin zu psychischen Belastungen. Auch Medikamente oder vorausgegangene operative Eingriffe können eine Rolle spielen.
Die Abklärung erfolgt durch ein ausführliches ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung sowie gezielte Zusatzuntersuchungen, beispielsweise Laboranalysen oder Ultraschalldiagnostik. Ziel ist es, organische Ursachen zu erkennen und mögliche Risikofaktoren zu erfassen.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und den individuellen Erwartungen des Patienten. Sie kann medikamentöse Therapien, lokale Behandlungsformen oder unterstützende Hilfsmittel umfassen. Wir bieten in unserer Klinik auch die operative Therapie mittels Schwellkörperprothetik an. Eine realistische Beratung über Erfolgsaussichten und mögliche Alternativen ist dabei ein zentraler Bestandteil.
Unerfüllter Kinderwunsch
Ein unerfüllter Kinderwunsch stellt für viele Paare eine große persönliche Belastung dar. In etwa der Hälfte der Fälle liegt zumindest eine mitbeteiligte Ursache beim Mann vor. Mögliche Gründe sind Störungen der Spermienbildung, hormonelle Veränderungen, genetische Faktoren, Entzündungen oder Abflussstörungen der Samenwege.
Die andrologische Abklärung des Mannes umfasst eine sorgfältige Anamnese, die körperliche Untersuchung, eine hormonelle Diagnostik sowie bildgebende Verfahren, insbesondere die Ultraschalluntersuchung der Hoden und ableitenden Samenwege.
Ein Spermiogramm wird am Kreisklinikum Reutlingen nicht durchgeführt und muss zur Beurteilung bereits extern erstellt und zur Vorstellung mitgebracht werden. Auf dieser Basis erfolgt die urologisch-andrologische Einordnung der Befunde sowie eine Beratung zu möglichen therapeutischen Optionen. Neben der Refertilisierungsoperation nach Sterilisation (Vasektomie) bieten wir auch die operative Gewinnung von Spermien an, beispielsweise mittels testikulärer Spermienextraktion (TESE) oder mikrochirurgischer epididymaler Spermienaspiration (MESA).
Bei Bedarf wird die weitere Behandlung in enger Abstimmung mit zuweisenden Ärzten sowie externen reproduktionsmedizinischen Einrichtungen empfohlen.
Testosteronmangel (Hypogonadismus)
Der Testosteronmangel ist eine hormonelle Störung, die sowohl jüngere als auch ältere Männer betreffen kann. Typische Beschwerden sind nachlassende Libido, erektile Dysfunktion, Müdigkeit, Leistungsabfall, depressive Verstimmungen, Abnahme der Muskelmasse und Zunahme des Körperfetts.
Die Diagnosestellung erfolgt anhand der klinischen Symptome und einer standardisierten hormonellen Labordiagnostik mit wiederholter Bestimmung des Testosteronspiegels. Wichtig ist zudem die Abklärung möglicher Ursachen und begleitender Erkrankungen.
Bei gesichertem Testosteronmangel erfolgt eine ausführliche Beratung über Nutzen, Risiken und Voraussetzungen einer Testosterontherapie. Die Behandlung wird leitliniengerecht durchgeführt und regelmäßig kontrolliert, um Wirksamkeit und Sicherheit langfristig zu gewährleisten.
Induratio penis plastica (Peyronie-Erkrankung)
Die Induratio penis plastica ist eine gutartige Erkrankung, die durch narbige Veränderungen der Schwellkörperhülle gekennzeichnet ist. Sie kann zu einer Verkrümmung des Penis, tastbaren Verhärtungen, Schmerzen bei der Erektion sowie zu funktionellen Einschränkungen führen. Der Verlauf ist häufig phasenhaft und kann sowohl körperlich als auch psychisch belastend sein.
Die Diagnostik basiert auf der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung und einer Ultraschalldiagnostik. Auf dieser Grundlage werden die individuellen Therapieoptionen erläutert.
Je nach Stadium und Ausprägung der Erkrankung kommen konservative, medikamentöse oder operative Behandlungsverfahren in Betracht. Unsere Klinik bietet sowohl klassische OP-Methoden (z.B. Nesbit, Schröder-Essed) als auch die Plaqueinzision / -teilresektion mit Patchplastik (z.B. Tachosil®) an.
Ziel ist es, Schmerzen zu reduzieren, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten oder wiederherzustellen.
Unser Anspruch
Die andrologische Behandlung am Kreisklinikum Reutlingen steht für:
- strukturierte und leitliniengerechte Diagnostik
- individuelle, patientenorientierte Therapieentscheidungen
- verständliche Aufklärung und sachliche Beratung
- enge Zusammenarbeit mit zuweisenden Ärztinnen und Ärzten
Wir begleiten Patienten kompetent bei andrologischen Fragestellungen und unterstützen Zuweiser durch klare Befundbewertung und Therapieempfehlungen.



